Brennen für die Architektur

Neue Regeln formulieren, um eigene Wege zu gehen: über den Wert der Marke

Brennen für die Architektur

Schriftzug meyerschmitzmorkramerAlle reden von Brands und digitaler Kultur – hat sich der stinknormale Namenszug überholt? Identität zeigen, Verantwortung übernehmen, davon ist Caspar Schmitz-Morkramer überzeugt. Mit der Entwicklung seines Büros wuchs das Selbstverständnis. Keine Kürzel – die Drei-Buchstaben-Büros lassen grüßen –, keine Phantasienamen, sondern die Gründernamen stehen heute Pate. Aus msm meyer schmitz-morkramer wurde Anfang 2018 meyerschmitzmorkramer.

 

Ob und wie Neuerungen letztlich ankommen, weiß man meist hinterher. Fest steht, meyerschmitzmorkramer ist vom Architekturbüro zur Marke gewachsen: ein Unternehmen mit 150 Mitarbeitern, das nicht allein rezipiert, sondern mit seiner Arbeit die Zukunft denkt. Architektur ist Gesellschaftspolitik. Sie gestaltet den Raum, in dem wir die nächsten Jahrzehnte leben. Neues aufgreifen, Altes überdenken, ohne mit Traditionen zu brechen, das gehört zur gewachsenen Identität von meyerschmitzmorkramer.

VIEL PASSIERT

Seit 2012, dem Jahr, in dem das alte Logo entworfen wurde, ist viel passiert. Der Anspruch, ohne Berührungsängste neue Wege zu gehen, hat das Büro international bekannt gemacht – Grenzen auszuloten, neue Regeln zu formulieren, den öffentlichen Raum wieder in den Mittelpunkt zu stellen, sieht man als Aufgabe, als Herausforderung, und bringt es als Selbstverständnis in die Stadtentwicklungs-Projekte des Büros von Düsseldorf über Ulm bis nach München ein. All das bildet den Markenkern und die besondere Handschrift des Büros: Es prägt das Erscheinungsbild, ohne modische Fußabdrücke zu hinterlassen, und zeigt dabei die eigene Emotionalität und Leidenschaft.

 

„Durch die Doppelung im alten Logo – msm meyer schmitz-morkramer – gab es zwei Zugehörigkeiten: das Buchstabenkürzel msm und gleichzeitig die Aufzählung der Namensgeber. Das erschien uns nicht stringent“, erläutert Caspar Schmitz-Morkramer. „Wir sind kein anonymes Büro, sondern definieren uns über unsere Verantwortung für unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und Projekte.“

Gemeinsamer Verbund

Die Architekten luden drei Designbüros zu einem Pitch ein. großgestalten aus Köln überzeugte mit einem Typographic Branding. Die ungewöhnlich lange Logotype bringt die Namen der beiden Gründer konsequent in einem Buchstabenverbund zusammen: „meyerschmitzmorkramer“ – ein Schriftzug als minimalistische Aneinanderreihung von Kleinbuchstaben.

„Das war eine ziemliche Überraschung“, erinnert sich Schmitz-Morkramer. „Wir dachten zunächst: Was ist passiert? Wir wollten doch die Namen erkennbarer haben.“ Doch genau das Gegenteil war zu sehen, keine Ordnung, sondern das gezielte Ineinanderfließen der Namen. „Die Persönlichkeiten der Inhaber sind klar in dem Logo ausgedrückt. Das Aneinanderschreiben ohne Lücken oder Zusatzzeichen indiziert aber auch, dass wir ein Verbund sind, bei dem nichts dazwischen passt“, unterstreicht Holger Meyer.

Die Macht der Marke

meyerschmitzmorkramer setzen mit ihrem Namenszug auf etwas, was fast schon liebenswürdig traditionell erscheint: Glaubwürdigkeit. In einem Büro, in dem die Fenster nicht selten nachts noch leuchten, weil sie für die Architektur brennen – nicht weil es ums Image oder die Marke geht, sondern „weil es Spaß macht“, so Caspar Schmitz-Morkramer. Glaubwürdigkeit als höchste Disziplin der Markenpolitik